Fachausbildung Klassische Chinesische Medizin

Wochenendausbildung

Beginn: 22./23. September 2018

 

Der Begriff „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM) ist weltbekannt, jedoch gleichzeitig irreführend. Die TCM ist tatsächlich eine Kombination aus der Klassischen Chinesischen Medizin (KCM) und westlicher Schulmedizin. Sie wurde in der VR China zwischen 1949 und 1980 auf Grund komplexer historischer, ökonomischer und politischer Gründe konstruiert.  Der Einfluss der westlichen Medizin auf die chinesische Medizin begann jedoch schon um 1644 mit dem Ende der Ming Dynastie und der daraus folgenden Öffnung Chinas.

Zur Entwicklung der TCM wurden die wesentlichen konzeptionellen Grundlagen der KCM entfernt und mit anatomisch-physiologischen Konzepten der westlichen Schulmedizin ersetzt.  Dann wurden ausgewählte klassische Konzepte und Methoden westlich angepasst, standardisiert, vereinfacht und an die neuen Grundlagen angekoppelt. Das Ergebnis wurde Traditionelle Chinesische Medizin genannt und als 5000 Jahre alte Medizin dargestellt.

Die Vermischung dieser zwei eigenständigen Medizinsysteme führte zu gravierenden Problemen in der Grundlagenstabilität und Logik, sowie zu einer Limitierung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten.
Durch den Verlust der konzeptionellen Basis, auf welcher die eigentliche Stärke der Chinesischen Medizin beruht, wurde der komplementäre medizinische Wirkungsgrad für die heutige Gesellschaft erheblich vermindert.   

Vielen erfahrenden TCM-Therapeuten innerhalb und außerhalb Chinas ist dieser Umstand bewusst und es gibt zunehmende Anstrengungen, die Klassische Chinesische Medizin und ihre konzeptionellen und therapeutischen Stärken wieder bekannter zu machen.

Die vorliegende Ausbildung bietet eben genau das: eine umfassende Vermittlung des klassischen chinesischen Medizinansatzes und aller notwendigen Konzepte, um eine kompetente Musterdiagnose und Behandlungsstrategie zu entwickeln.

Außerdem werden darauf aufbauend, die therapeutischen Methoden Heilkräuteranwendung, Tuina-massage, Akupunktur und medizinischen Qigong in ihren Grundlagenkonzepten vorgestellt.

Das Ausbildungsprogramm wird an der Thammavong Schule in Neustrelitz durchgeführt. Unsere Schule kann auf über 27 Jahre Unterrichts- und Beratungserfahrungen auf dem Gebiet der Klassischen Chinesischen Medizin zurückblicken.

Andreas Kühne, Leiter der Ausbildung, Vorsitzender der „German Qigong Association“, Lehrer für Klassische Chinesische Medizin, Qigong und Kung Fu, wurde bei Meister Kaikham Thammavong ausgebildet. Anschließend studierte er Chinesische Medizin und Qigong an der „East West Academy of Healing Arts“ unter der Leitung von Dr. Chow in San Francisco, USA, am Lotos Institute, Kalifornien, sowie an der Xi Yuan – Klinik für Chinesische Medizin, Peking, China und besuchte Weiterbildungen in England, China, Deutschland und den USA.


Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung

Theoretische Grundlagen der Klassischen Chinesischen Medizin
  • Entwicklung der Chinesischen Medizin bis hin zur TCM
  • Geschichtlicher Hintergrund, heutige Situation in China und Europa
  • Philosophische Grundlagen der Klassischen Chinesischen Medizin
  • Konditionaler Wissenschaftsansatz
  • Herleitung der konzeptionellen medizinischen Grundlagen aus dem philosophischen Ansatz
  • Wu Xing – Wandlungen von Yin und Yang als fundamentales konditionales Beschreibungskonzept
  • Grundlegende Betrachtungsebenen abgeleitet aus dem Wu Xing (Qi, Xue, Jing)
  • Herleitung der menschlichen Funktionen und Strukturen aus dem Wu Xing-Konzept
  • Bedingungsrahmen für Vitalprozesse und Disharmonie-Entwicklung (äußere Einflüsse, Emotionen, Lebensweise, Ernährung, Konstitution), Disharmonie-Dynamiken
  • Pathogenese Mechanismen
  • Diagnoseverfahren: Befragung, Beobachtung (Körper, Gesicht, Zunge), Betasten (Puls, Ashi), Hören/Riechen)
  • Wechselwirkung der Zeichen und Symptome  
  • Identifizierung eines Disharmonie-Musters (gemäß 8 Leitkriterien, Wu Xing, Ebenen Betrachtung, ben/biao)
  • Harmonisierungsprinzipien, Behandlungsstrategien, Behandlungsprinzipien und Methoden
  • Diskussion häufiger Symptome und Mechanismen
Ernährung im Sinne der Klassischen Chinesischen Medizin
  • Auswahl der Nahrung, Transformation, Assimilation, Ausscheidung
  • Ernährung bezogen auf: Klimazone, Jahreszeit, Konstitution, physische/mentale Aktivität, Lebensweise, individuelles Maß, individuelles Muster, Zubereitung
  • regionale Heilkräuter für die Küche und Hausapotheke im Sinne der Chinesischen Medizin, Zubereitung von Stärkungssuppen
  • Diskussion häufiger Ernährungsfragen
Medizinisches Qigong
  • 18 Übungen des Bodhidharma zur Regulierung von Körperstruktur, Funktion und Vitalität
  • Stehende Meditation
Einführung in die Behandlungsmethoden der KCM
  • Herleitung der Grundkonzepte für die Behandlungsmethoden Heilkräutertherapie, Tuina-Massage, medizinisches Qigong und Akupunktur
  • Praktische Beispiele und Workshop
Außerdem
  • Konstitutionslehre
  • Beratungsmethodik und Gesprächsführung
  • Fallstudien
  • Hausarbeiten
  • Supervision
 

Die Ausbildung in den Behandlungsmethoden der Klassischen Chinesischen Medizin ist sehr umfangreich und dauert jeweils mehrere Jahre.

Es ist uns aber wichtig in dieser Fachausbildung die Grundlagen dieser Methoden vorzustellen, um eine fachlich korrekte Anbindung an die vermittelten Themenbereiche zu ermöglichen und eine zukünftige Weiterbildung zu erleichtern.

Einsatzmöglichkeiten:
Therapeutische Praxen, Kureinrichtungen, Rehabilitationskliniken, Hotels mit Wellness – Bereich, Psychosomatische Kliniken, Beratungseinrichtungen, Gesundheitswirtschaft  
 
Organisation der Ausbildung:
3 Jahre, jeweils 10 Wochenenden pro Jahr
(ein Wochenende pro Monat, Samstag 10.00-17.00 Uhr und Sonntag 10.00-14.00 Uhr, außer Juli/ August)

Orientierung:
Um einen Eindruck unserer Schule zu bekommen, weitere Fragen zur Ausbildung zu klären und sich kennen zu lernen, würden wir uns freuen, Sie vorab zu einem persönlichen Gespräch in unserer Schule begrüßen zu können.
(keine Bedingung) 
Zur Anmeldung kontaktieren Sie bitte unser Büro.

Unterbringung:
Falls Sie eine Übernachtungsmöglichkeit in Neustrelitz benötigen, können wir Zimmer im Stadtzentrum vermitteln. Die Kosten für diese Unterbringung sind nicht im Seminarpreis enthalten.
Sie können aber auch kostenfrei in unserer Schule, im Übungsraum, übernachten.

Kosten:
monatliche Ausbildungsgebühr: 190,00 €

Referenten:
Andreas Kühne, Leiter der Thammavong Schule, G.Q.A. e.V., W.Q.F.
Thomas Gesche, G.Q.A.
Barbara Lübeck, G.Q.A.
Thomas Buchner,G.Q.A.
 
Abschluss:
Qualifiziertes Zertifikat nach bestandener mündlicher und schriftlicher Abschlussprüfung.
Zulassungsbedingungen zur Prüfungsteilnahme: vollständige Stundenanzahl, Anfertigung aller schriftlichen Hausarbeiten.
Wenn Sie ein Seminar aus zwingenden Gründen verpassen sollten, besteht die Möglichkeit, Nachholstunden zu buchen (nicht in der Ausbildungsgebühr inbegriffen).
Dieser oder ein gleichwertiger Abschluss ist die nötige Voraussetzung für eine mögliche Teilnahme an weiterführenden Ausbildungen an unserer Schule (z.B. „Tuina-Massage der Chinesischen Medizin“, „Heilkräuter der Chinesischen Medizin“). Außerdem ist mit diesem Abschluss eine Mitgliedschaft im Fachverband „German Qigong Association“ e.V. möglich.
Praktika in China, Engand und Deutschland können vermittelt werden.
 
 

Wie unterscheidet sich der Schulmedizinische Wissenschaftsansatz von dem der Klassischen Chinesischen Medizin?

Die westliche Schulmedizin basiert auf einer organisch, physiologischen Menschbetrachtung, was sich in einer messtechnischen Diagnose (Labor, Röntgen, EKG, CT, MRT,...) und strukturkorrigierenden Therapien widerspiegelt. Dieser Ansatz ist in seinem kausal-analytischen Rahmen sehr objektiv und schnell, definiert aber den individuellen Menschen über festgelegte Messwerte. Genau das wirkt sich bei der akuten Medizin (z.B. ein Verkehrsunfall mit inneren Verletzungen) als große Stärke aus.
Bei chronischen Erkrankungen, Symptomen ohne Befund, als auch bei der Prävention werden aber Grenzen dieser Herangehensweise deutlich, was in fachbereichlich isolierten Therapieansätzen, abnehmender Eigenverantwortung bzw. Kompetenz der Bevölkerung  und nicht selten in medien- bzw. marktgesteuertem Ernährungsverhalten münden kann.
Beim ständig zunehmenden Angebot an Informationen und Hinweisen der analytischen Wissenschaft mit unterschiedlichem Verfallsgrad ist es schwer, diese Aussagen kompetent zu relativieren, einzuordnen und in einem individuellen Maß anzuwenden.  

Die Klassische Chinesische Medizin (KCM) basiert auf einem alternativen Wissenschaftsansatz und bietet eine funktionale (konditionale) Menschbetrachtung, bei der die menschlichen Lebensfunktionen und Prozesse in Wechselwirkung zueinander und zur Umgebung beschrieben und in einer momentanen Relation von Substanz- und Vitalitätsaspekten ausgedrückt werden.
Diese Prozesse sind damit nicht an Messdaten koppelbar, so dass es auch zu keinem Vergleich mit „Sollwerten“ und entsprechenden Folgen kommen kann.
Vielmehr wird ganzheitlich nach individuellen, funktionalen Disharmonie-Mustern gesucht. Die Frage lautet in etwa: Welcher Prozess läuft unter welchen Bedingungen ab, dass sich dieses Problem manifestiert? Beratungen und Therapien zielen dann auf die Regulierung dieser Prozesse und Bedingungen ab.
Eine Anamnese in der Chinesischen Medizin ist dadurch mehr subjektiv und stark abhängig von der Kompetenz des Beraters.
Gute Fachkenntnis vorausgesetzt ist das Ergebnis aber sehr spezifisch und eröffnet konkrete, praktische Wege zur Regulation des ganzen Menschen, welche vom Betroffenen vollkommen nachvollziehbar sind, dessen Mitarbeit erfordern und so aktive Verantwortung für die eigene Gesundheit entwickeln. 

Aufgrund der jeweiligen Grenzen und Möglichkeiten beider Medizinansätze gibt es rein fachlich keinen Konkurrenzkampf, sobald man die Art der ansatzmäßigen Verschiedenheit und das sich somit gegenseitige Unterstützen begreift. Die heutige gesellschaftliche Situation erfordert die Leistung beider Systeme.